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Beiern in Leuscheid
An hohen kirchlichen Festen wie z. Beispiel Heiligabend, 1. Weihnachten, Ostersamstag und -Sonntag und an Pfingsten erklingt seit Jahrzehnten das feierliche Geläut des Glockenbeierns. „Ludwig, Ludwig, bom bom bom, im Sommer maachen mer Heu, un wann mer´et net im Sommer dohn, dann dohn mer´et at im Mai“ So lautet der Text der alten überlieferten Glockenmelodie. Im 1000 Jahre alten Kirchturm der Evangelischen Kirchengemeinde schlagen an hohen Feiertagen nach jahrhundertealtem Brauch Beiermänner die Glocken. In Leuscheid beiert seit nunmehr 12 Jahren Brauchtumspfleger Alfred Koch aus Leuscheid die Glocken. Er verkündet im Leuscheider Kirchspiel, dass besonders hohe Feiertage gefeiert werden. Schon als Kind durfte er „Opa Mörsch“ beim Schlagen der Glocken zuschauen. Ab und an wurde ihm erlaubt, die damals noch von Hand zu bewegenden Glocken anhand eines Seiles zu läuten. Gemeinsam mit unserem Küster Karl-Heinz Krüger sorgt er an besonderen Feiertagen für das Konzert. Erstmalig konnte Karin Klein an 1. Weihnachten 2011 vor der Christmette von 5.00 bis 6.00 Uhr als Nachwuchstalent für den alten Brauch geworben werden. Mit Hilfe von Seilen werden die schweren Klöppel gegen die ruhig hängenden, schräg gestellten Glocken geschlagen. Das ist Kraftarbeit, muss aber mit viel Gefühl gemacht werden, damit die drei großen Bronzeglocken, gestimmt in fis, gis und h keinen Schaden nehmen. „Ohne das Beiern an besonderen Feiertagen würde in Leuscheid etwas fehlen“, sagen die Brauchtumspfleger. Beiern bedeutet also das rhythmische Läuten einer Glocke, das sehr viel Kraftarbeit und auch viel Gefühl verlangt. In früheren Zeiten wurden die Kirchenglocken als eine Art Medium zur Masseninformation genutzt. Sie warnten u. a. vor Feuer, Krieg, Unwetter und informierten die Menschen über die Tageszeit. Daraus entwickelte sich auch diese Art des Glockenspieles und jede Gemeinde hatte ihr spezielles Baierlied. Zu hören und zu sehen ist dies im Internet unter you tube: „Glockenbaiern in der ev. Kirche in Leuscheid“.
Karin Klein oberes Foto Alfred Koch, unteres Foto Karin Klein
Löschender Geschichten Neu aufgelegt Übernahme mit freundlicher Genehmigung des BVL Das verwandelte Eichhörnchen Eigentümlicherweise spielt der Apotheker bei den Leuscheider Schildbürgerstreichen eine bedeutende Rolle. Vielleicht ist die Ursache so zu suchen, dass das geheimnisvolle Tun des Berufes und sein Erfolg ein Rätsel bleiben. Ein Leuscheider Landsmann kam nach Eitorf in die Apotheke, um ein Rezept ferigstellen zu lassen. Indes der Apotheler die Mischung vornahm, sah sich der Bauer im Raume um und beaobachtete in einem Käfig ein landfremdes Eichhörnchen, das ein Rad trommelte. Auf die Frage, was es sei, gab der Apotheker zur Antwort: "Es ist mein Provisor; den Kleinen ziehe ich mir groß; er sieht mir aus der Trommel zu und lernt so nach und nach alle Handgriffe". Die heilige Einfalt gab sich mit dem knurrenden "Merkwürdig!" zufrieden. Nach fünf Jahren kam der Bauer wieder in die Apotheke und fand an der Stelle des Apothekers einen rotlockigen Provisor vor. Der Leuscheider Mann riss die Augen sperrangelweit auf und sagte: "Ihr seid gut gewachsen". Unser Provisor konnte dem Wort keinen Sinn beimessen und fragte: "Wie meint Ihr das?" Da sagte der Bauer: "Vor fünf Jahren habt ihr die Trommel im Kasten gedrillt und nun könnt ihr schon Düten drehen. "Das hörte der im anstoßenden Zimmer sitzende Apotheker, kam herein, sah den Mann an und lachte aus vollem Halse. Das Schwimmen im Flachsfeld Zur Sommerzeit wollten die Leuscheider einmal das Schwimmen erlernen. Weil es ihnen am einem entsprechenden wirklichen Wasser fehlte, nahmen sie das blaue Flachsmeer "im Läger" zu Hilfe. In Rotten zu zehn Mann traten die Bürger freudestrahlend an und lebten im Vorgefühl des künftigen Genusses. Wieder hatte der zehnköpfige Gemeinderat den Vorrang. Die Wasserhelden verteilten sich im blauen Flachsmeer, strampelten mit den Beinen, fuchtelten mit den Armen und vergnügten sich mit Buchkrümmungen. Bald war die Schwimmkunst erlernt, und der Gemeinderat machte anderen Platz. Als man sinnig des Weges ging, meinte ein Bedachtsamer: "Es wird doch keiner von uns ertrunken sein?" Nun begann das Abzählen. Der Schulze prüfte: "Ich und du sind eins , zwei, drei usw. bis zehn. Er fand als Vollzahl neun. Ein anderer zählte ab und brachte die Zahl zehn zutage. Man kam überein, die Probe zu machen, und jeder der Rotte steckte seinen Finger in den Schlamm einer nahen Schwalbenlache. Jetzt zählte man die Löcher ab und fand zehn Vertiefungen. Es war keiner ertrunken. Där bestrofte Moll Zo Löschend, doo hürt m´r noch mänche Jescheecht on een well ech hüt ees v´rzällen. He cheng m`r barbaresch mom echt. Doch o-ehne dat Dier vill zo quällen.Vi-el Mollhööf` vör Johren em Chaaden m`r fong. Nohm Kaascht dät blu-es jeder noch langen. Noh Wauchen däm Hannes op ees et jelong Dän chrüeßten där Schwitte zoen. Doo sech ald seng Schold an d Erd`su gehööft. Oss nex för dän Moll mieh zu erwen. M`r hät si söß ömmer erschlo-en on v`rsööft. Doch där ääs "Exempel" soll "sterven"! Schwin mooch m`ren Lauch, dänn en Lich`, di v`rschööcht Möll uus dän decken Knollrawen. Su däächt m`r sech dat on keen Steern wor, där äas läwend där Moll wur bechrawen! E. Hundhausen Als Leuscheid erstmalig mit Strom versorgt wurde
Als in den zwanziger Jahren die Überlandzentrale gebaut und auch durchs Leuscheider Land geführt wurde, schlossen sich die Bewohner von Leuscheid ebenfalls an. Doch vorher mußte eine Genossenschaft gegründet und ein Vorstand gewählt werden. Als nun die Angelegenheit soweit gediehen war, wurde der erforderliche Transformator bestellt. Weil sich die Lieferung nun seltsamerweise sehr lange herauszögerte und man keinerlei Nachricht von der Lieferfirma bekam, verfaßte man im Vorstand ein Mahnschreiben an den Hersteller. Endlich, nach 14 Tagen, kam ein Brief, worin es u.a. hieß, man solle sich an AEG.L.44,V.5 in Mannheim wenden. Kein Mitglied des Vorstandes wußte, was diese Mitteilung zu bedeuten hatte. Man ließ nun den Herrn Lehrer kommen, der es ja wissen mußte, doch dieser wurde aus der Sache auch nicht klug und bat den Vorstand, den Herrn Pastor zu befragen, der es bestimmt wissen müsse. Der Pfarrer wurde geholt und nachdem er das Schreiben gründlich studiert hatte, sagte er: " Meine Herren! Dieser Hinweis bedeutet: Allgemeines evangelisches Gesangbuch, Lied 44, Vers 5. Ziehen Sie einmal Ihr Gesangbuch zu Rate". Nachdem er sich mit einem vielsagenden Lächeln verabschiedet hatte, wurde eiligst ein Gesangbuch herbeigeholt, worin zu lesen war: Er wird nun bald erscheinen in seiner Herrlichkeit, der all eur Klag und Weinen verwandeln wird in Freud". Er Ist`s der helfen kann; halt`t eure Lampen fertig und seit stets sein gewärtig, er ist schon auf der Bahn. J. Pracht Übernahme mit freundlicher Genehmigung des BVV
Bau der Kirche in Leuscheid Die evangl. Kirche in Leuschei besitzt zwei Türme. Der Sage nach sollen drei Geschwister, einem Gelübde gemäß, drei Türme zu erbauen beschlossen haben. Eins derselben starb während der Bauausführung, und damit fiel der dritte Turm. Die Kirchenanlage weist auch darauf hin, daß Ansätze für einen dritten Turm gemacht worden sind. Weiter weiß die Sage noch zu berichten, daß eine adelige Familie, welche dem Orte Hundhausen gegenüber jenseits der Sieg auf einem Felsen ihren Wohnsitz hatte (Benzekausen?), die Kirche und Pfarrei nebst dem Zehnten, Gütern und Einkünften gestiftet haben. vom Berg, 130.
Die gewarnten Holzdiebe Ein überaus starker Mann aus Leuscheid, der wegen seiner Kraft weit und breit berühmt war, und welcher den Feldzug 1870/71 mitgemacht hatte, ging eines abends mit seinem Schwiegervater in den Wald ,um Holz zu stehlen. Sie gingen in ein Kieferdickicht. Heller Mondschein lag auf der Gegend. Der junge Mann war bald mit seiner Bürde fertig und war eben im Begriff, dieselbe von der Erde aufzunehmen, als er nach einer Stelle den Blick wandte, welche als unheimlich verschrieen war. Da sah er dort einen Mann stehen. Er legte nun seine Bürde wieder nieder und trat auf die unheimliche Gestalt zu. Da sah er, daß diese einen dreieckigen Hut trug, dazu ein kurzes Beinkleid und Schnallenschuhe. Das Gesicht des Mannes war außerodentlich breit und sah aus wie ein Totenschädel. Der Mann faßte sich ein Herz und fragte den Rätselhaften: "Was macht du hier?" Da wandte jener ihm zuerst das Gesicht und dann den Rücken zu, ohne sich weiter von der Stelle zu bewegen. Da überfiel unsern Holzdieb doch etwas wie Grauen. Er faßte sich aber bald, lief zu seinem Schwiegervater zurück und teilte ihm sein Erlebnis mit. Zugleich beschwor er ihn, für sein Weib und seine Kinder zu sorgen; denn er wolle mit dem rätselhaften Gesellen energisch zu Leibe gehen. Der Schwiegervater war aber besonnen genug, ihm solche verwegenen Pläne auszureden. Beide nahmen ihre Bürde auf und nahten der Stelle, wo die Gestalt noch stand, ohne sich zu rühren Der Tod am Heilbrunnen Um den Heilbrunnen im Ohmbachtal rankt sich gar mache Sage und Geschichte, liegt er doch in tiefer Waldeinsamkeit, weitab von aller menschlichen Geschäftigkeit. Einst hatte ein Bauer im nahen Obersaal einen hühnenhaften Knecht, der bei allen Raufhändeln gefürchtet, doch bei den Kindern beliebt war, hatte er doch ein gutes Gemüt. Als er an einem kühlen Herbsttag in der Nähe des Heilbrunnens mit Waldarbeiten beschäftigt war, wurde er von einem Unbekannten angefallen und seiner Vesperbrote beraubt. In höchster Not versetzte er dem Unholden mit seiner riesigen Faust einen Schlag, so daß dieser auf der Stelle tot zusammenbrach. In seiner Verzweiflung -denn dieser Schlag war nicht beabsichtigt- schleppte der Knecht den Toten an den nahen Ohmbach und legt die Leiche ins Waser, um einen Unfall vorzutäuschen. Erst nach vielen Monaten wurde die verweste Leiche gefunden. Es soll sich um einen entsprungnen Patienten einer Heilanstalt gehandelt haben, der an seinem breiten, ledernen Leibriemen erkannt wurde. Der Täter aber meldete sich zu den Soldaten, um freiwillig auf dem Schlachtfeld den Tod zu finden.
Löschender Geschichten (Es geht wieder weiter) (Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Bürgervereins Leuscheid) Der Name Leuscheid -im XII Jahrhundert "livenskeit" - steht wohl für Leutescheid, in der Bedeutung von Leutescheide, Stammes- oder Volksgrenze. Aus dem Jahre 1131 stammt die älteste bekannte Urkunde, die den Ort erwähnt. Es ist eine Aufstellung der Besitztümer des Cassiusstiftes in Bonn, in der die Leuscheider Kirche aufgeführt wird. Aus dieser Urkunde und der Bauweise der Kirche geht hervor, daß sie zu den ersten Kirchen unserer Heimat zu zählen ist. Sie trägt ganz den Charakter einer Wehrkirche. Aus den Urkunden erfahren wir, daß 1477 die Vogtei Leuscheid nach langen Grenzstreitigkeiten von dem Grafen Gerhard von Sayn an den Herzog Wilhelm von Jülich (Herzog von Berg) abgetreten wurde. Die Grenzstreitigkeiten sind damit aber nicht beendet. 1607 wird erneut Leuscheid mit mehreren Nachbarorten von dem Grafen Sayn-Wittgenstein an den Herzog von Jülich-Berg abgegeben. 1565 ist der größte Teil der Bevölkerung des Leuscheider Landes protestantisch. Beide Konfessionen streiten sich jedoch um den Besitz der alten Kirche. Erst 1670 wird die Kirche entgültig den Protestanten zugesprochen. Auch der Dreißigjährige Krieg hat Leuscheid nicht verschont. 1632-1633 und 1645-1648 waren die Schweden in unserem Land und haben die Burg Windeck belagertund schließlich eingenom-men. In dieser Zeit soll unsere Kirche auch als Pferdestall benutzt worden sein. Die Kriege nach der Französischen Revolution (1789) brachten viel Elend über das arme Leuscheider Land, da dieses Gebiet abwechselnd von deutschen und französischen Truppen besetzt war. 1810 wurde mit der Einführung des französischen Rechtes das Armenvermögen der Gemeinde Leuscheid mit dem der Gemeinde Herchen zusammengelegt und damit die Gemeinde Herchen gebildet, zu der Leuscheid bis 1969 gehörte. Mit Beginn des Erzbergbaus im Siegerland wandern viele Männer aus Leuscheid täglich nach Hamm a.d. Sieg und Wissen, um dort im Bergwerk zu arbeiten. Nach dem 1. Weltkrieg siedelten sich Industriebetriebe in den Nachbargemeinden an, die vielen Menschen in unserer Gemeinde Arbeit gaben. Auch der Bau einer Molkerei in den 30er Jahren brachte eine große Verbesserung für die Landwitschaft in Leuscheid. 1969 wurde auch in unserer Gebiet eine kommunale Neuordnung durchgeführt. Die Gemeinden Herchen, Dattenfeld und Rosbach wurden zu einer Großgemeinde zusammengelegt, die den Namen Windeck erhielt. Heute ist Leuscheid ein Ort mit wenig Industrie. Die Menschen arbeiten in den Nachbarorten insbesondere Eitorf, Hennef, Siegburg und Troisdorf. Die Landwirtschaft betreibt Viehwirt-schaft. Die Schönheit unserer Landschaft und die saubere Luft veranlassen immer mehr Menschen. in Leuscheid Erholung zu suchen.
Die Veröffentlichung des u.a. Artikels erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Bürgervereins Leuscheid Der Name Leuscheid -im XII Jahrhundert "livenskeit" - steht wohl für Leutescheid, in der Bedeutung von Leutescheide, Stammes- oder Volksgrenze. Aus dem Jahre 1131 stammt die älteste bekannte Urkunde, die den Ort erwähnt. Es ist eine Aufstellung der Besitztümer des Cassiusstiftes in Bonn, in der die Leuscheider Kirche aufgeführt wird. Aus dieser Urkunde und der Bauweise der Kirche geht hervor, daß sie zu den ersten Kirchen unserer Heimat zu zählen ist. Sie trägt ganz den Charakter einer Wehrkirche. Aus den Urkunden erfahren wir, daß 1477 die Vogtei Leuscheid nach langen Grenzstreitigkeiten von dem Grafen Gerhard von Sayn an den Herzog Wilhelm von Jülich (Herzog von Berg) abgetreten wurde. Die Grenzstreitigkeiten sind damit aber nicht beendet. 1607 wird erneut Leuscheid mit mehreren Nachbarorten von dem Grafen Sayn-Wittgenstein an den Herzog von Jülich-Berg abgegeben. 1565 ist der größte Teil der Bevölkerung des Leuscheider Landes protestantisch. Beide Konfessionen streiten sich jedoch um den Besitz der alten Kirche. Erst 1670 wird die Kirche entgültig den Protestanten zugesprochen. Auch der Dreißigjährige Krieg hat Leuscheid nicht verschont. 1632-1633 und 1645-1648 waren die Schweden in unserem Land und haben die Burg Windeck belagertund schließlich eingenom-men. In dieser Zeit soll unsere Kirche auch als Pferdestall benutzt worden sein. Die Kriege nach der Französischen Revolution (1789) brachten viel Elend über das arme Leuscheider Land, da dieses Gebiet abwechselnd von deutschen und französischen Truppen besetzt war. 1810 wurde mit der Einführung des französischen Rechtes das Armenvermögen der Gemeinde Leuscheid mit dem der Gemeinde Herchen zusammengelegt und damit die Gemeinde Herchen gebildet, zu der Leuscheid bis 1969 gehörte. Mit Beginn des Erzbergbaus im Siegerland wandern viele Männer aus Leuscheid täglich nach Hamm a.d. Sieg und Wissen, um dort im Bergwerk zu arbeiten. Nach dem 1. Weltkrieg siedelten sich Industriebetriebe in den Nachbargemeinden an, die vielen Menschen in unserer Gemeinde Arbeit gaben. Auch der Bau einer Molkerei in den 30er Jahren brachte eine große Verbesserung für die Landwitschaft in Leuscheid. 1969 wurde auch in unserer Gebiet eine kommunale Neuordnung durchgeführt. Die Gemeinden Herchen, Dattenfeld und Rosbach wurden zu einer Großgemeinde zusammengelegt, die den Namen Windeck erhielt. Heute ist Leuscheid ein Ort mit wenig Industrie. Die Menschen arbeiten in den Nachbarorten insbesondere Eitorf, Hennef, Siegburg und Troisdorf. Die Landwirtschaft betreibt Viehwirt-schaft. Die Schönheit unserer Landschaft und die saubere Luft veranlassen immer mehr Menschen. in Leuscheid Erholung zu suchen.
Das Pferdeausbrüten Die Biene entsteht aus dem Ei; die Raupe kriecht durch die Eierschale; und auch die Vögel haben in Ei ihre Urheimat. Das wußten auch die Leuscheider. Und als es ihnen an Pferden, deren Nützlichkeit in Eitorf kennen gelernt hatten, fehlte, kamen sie auf den Gedanken, Pferde regel-recht ausbrüten zu lassen. Aber es mußte ein großes Ei sein. Ein breitgefügter Bauer mit fester Sitzfläche mußte die Glucke sein und in einer kleinen Grube auf den Höhen am Hang ausge-suchte Runkelrüben ausbrüten. An der notwendigen Atzung der Männerglucke ließ es die Gemeinde nicht fehlen. So saß der gute Mann Tag und Nacht auf der Runkelrübe und wartete der Dinge, die da kommen sollten. Eines Morgens fiel ihm ein Rühren ins Gebein, und er sprang auf, trat aber beim Aufstieg die Runkelrübe den Anhang hinunter, und rollend schlug sie in den Wacholderbusch. In diesem Augenblick merkte der Bauer sein Versehen und sah sich um, da sprang in seinem Blickfeld ein Hase und nahm seinen Weg querfeldein. In der Meinung, das ausgebrütete Füllen vor sich zu, rief der Mann: "Hier komm her! Hier ist deine Mutter!" So wäre beinahe das erste Pferd nach Leuscheid gekommen. Die fortgerückte Kirche Ein andermal, als ein neuer Pfarrer eingetroffen war, der fest auf die Kanzel schlug und das Kind beim rechten Namen nannte, füllte sich allsonntäglich die Kirche in dem Maße, daß nicht alle Plätze fanden und viele auf dem kleinen Vorhof bleiben mußten. Jetzt galt es, die Kirche zu rücken. Die Gemeinde wurde zu löblichem Tun aufgeboten. Um den Erfolg des Rückens fest-stellen zu können, legte man in einem Schritt Abstand von den jenseitigen Ecken frisch gebackene Brötchen nieder. Nun schob man, daß ich die Schulterblätter bogen und die Zähne knirschten. Der Schulze hatte das Kommando und rief: "Aufgepaßt! Eins, zwei, hub." Dann lief er schnell rückwärts, um zu sehen, ob die Brötchen bedeckt seien. Weil es das Backwerk nicht mehr sah, legte er in einem Schritt neue Brötchen, und das Schieben, Schultern und Drücken nahm seinen Fortgang. Nach einiger Zeit überzeugte sich der Schulze wieder von dem Erfolg der Arbeit und konnte feststellen, daß nunmehr die Arbeit getan und die Kirche zwei Schritt fortgerückt worden sei. Als aber der nach Ehrentalsmühle ziehende Hammer Metzger seinen Kälberhund anrief, kaute dieser an frischen Brötchen.
Der Pastor von Leuscheid Die Leuscheider Pfarrer waren von jeher sehr eng mit ihren Pfarrkindern verbunden, was bei den vielen Familienfesten besonders zum Ausdruck kam. Als wieder einmal eine Kindtaufe im nahen Niederleuscheid gefeiert wurde, durfte auch der Herr Pastor nicht fehlen. Nachdem er tüchtig Speise und Trank zugesprochen hatte, wurde er von seinem Gastgeber, einem biederen Bauern des Dorfes, ein Stück auf seinem Heimweg begleitet. Plötzlich verspürte der geistliche Herr ein menschliches Rühren und eilte in einen nahen Bauernhof, wo sich ein kleines Bretterhäuschen befand. Dort angekommen, konnte er sich trotz höchster Not nicht dazu entschließen, von der günstigen Gelegenheit einer Erleichterung Gebrauch zu machen; denn Türe und Rückwand des Häuschens fehlten. In dieser verzweifelten Lage versuchte der Bauer seinem Seelenhirten etwas Mut zu machen, indem er ihm mit verschmitztem Augenzwinkern den philosophischen Rat gab: "Hockt öch röch he drop, van der Sitte sit merd öch net, van höngen kennt mer öch net on van für es et net schlömm!" Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Bürgervereins Leuscheider Land
En Löschender Gedech De Hippe woor böckich. Der Vatter hat keen Zitt, met dem Dier nom Bock ze choon on hä sääch für dat Lenchen :“Komm herr- dann moss du met dem Dier nom Bock choon!“ Die Hippe woor ärch onrööch on et Lenchen hat seng leeve Nued met dem dollen Dier. Ongerwäächs bechäänt der Pastuur den zweien on sääch: „Na Lenchen, das ist aber anstrengend für dich , wo willst du denn mit der Ziege hin ?“ „Die Zee moss bin dä Bock , Herr Pastuur.“ „Aber konnte dein Vater das denn nicht selber machen ?“ „Äwwer Herr Pastuur ! Datt wollt Ühr doch secher och net hänn!“
Erstmalige Erwähnungen Locksiefens
Erstmalig erwähnt wurde Locksiefen 1454 im Historischen Staatsarchiv Wiesbaden (HStA). Darin heißt es:
,,Hannes Tochter van Locksyffen, der ein Dienstmann war, wird als Betroffener bei Auseinandersetzungen zwischen den Grafchaften Sain und Berg erwähnt."
Die damalige Schreibweise war nicht Locksiefen, sonderen Locksyffen 1465 wird Locksiefen wieder urkundlich erwähnt. Im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf Jülich Berg II Nr.111 steht, dass uff Sonntag nach Bartholomäustag" die Grenze zwischen der Graft¬schaft Sain und dem Amt Windeck oberhalb von Locksiefen be¬gangen wird ,,den Seyfen hinan und weiter so wie in den vergan¬genen Jahren“.
Die Grenze verlief ausgehend von den ,,krausen Heistern boven Saal, die Straß herab zum Huppensterz genannt, zur Cluß."
,,Ober der Cluß haben 2 Mann gewohnet. Der eine hat gehöret zu Windeck, der andere nach Altenkirchen.
Die dritte Erwähnung Locksiefens stammt aus dem Jahre 1556.
Im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf heißt es dazu:
,,1556 gab es 10 Geschworene gegen Sainsche. 9 Geschworene sind namentlich bekannt gewesen. Die Geschworenen waren: Johentgen der Fuchs von Locksiefen, 80 Jahr Thomiß von Saal, Mant von Werfe, 60 Jahr Johann Geilhausen von Sail, 60 Jahr Heinrich von Schabernack 50 Jahr Nolden Johann, 50 Jahr Thomas von Himmeroth, 60 Jahr Claiß von Dahlhausen, 50 Jahr Johann von Himmeroth, 50 Jahr Johann Reider, 70 Jahr
Entstehung des Ortsnamens
Der Name Locksiefen ist unter anderem aus dem verwandten Waldnamen ,,Lockseiffen" herzuleiten. 1607 ist der Name Lockseiffen aus dem Begriff „Lo“ für ,,die Waldrodung" entstanden.
Weitere historische Daten und Ereignisse
Um 1637 beschossen die Schweden von der Locksiefer Heide die Burg Windeck. Am 7. März 1849 wanderte Johann Wilhelm Jünger aus Locksie¬fen, geboren am 25. Mai 1823, nach Amerika aus. Anfang 1945, als Locksiefen von den Amerikanern besetzt war, wurde von mehreren Stellungen in Locksiefen aus, das alte Schloß Windeck beschossen, in dem damals noch eine SS-Einheit stationiert war. Das Schloß Windeck wurde danach nicht mehr aufgebaut. Heute, im Jahre 2005, leben in Locksiefen ca. 110 Einwohner.
Gefunden in den Annalen von „Fibbes“ (Wilfried Andreas)
Für den Wahrheitsgehalt und die Glaubwürdigkeit der überlieferten Geschichten, übernehmen wir keine Garantie.
Der Seller-Schmed Der Seller-Schmed hatt bim Schmetten net opjepass un hatt sech mem decken Vürschlachhammer jenau op den Dommen jekloppt. Wie jeder weeß deet dat furchbar wieh. Der Dommen wor blau – der Nääl cheng aff. Der Seller-Schmed konnt en paar Daach die Hand net bruchen – hä mot krank fieren. Natürlich mot hä och den Unfall bin der Berufsjenossenschaft melden. Do krech er en Fragebogen met allerhand Frochen. Der Schmed wor net frueh öwwer all den Schriefkroom. Die letzte Froch heeß: „Wie wäre der Unfall zu verhindern gewesen?“ Do platzt dem Schmed der Kraren on er schreff dohin : „Den Hammer in beide Hände fassen .“
Der Seller-Schmed hatt johrelang nur Peerd beschlohn on die eenfachen Jereden em Schuss jehalen. Nom Kreech cheng dat loss met all den Maschinen en dr Landwirtschaff on der Schmed verkleef die neumodischen Saachen. Die funktionierten dann net ömmer su, wie se sollten on et choof dann oft Beschwerden. Do wor et enes Daaches dem Schmed esu zu vill un er sot: „Pastuur hätt mer weren sollen. Do sääch mer Amen un dann kunn keen Reklamationen!“
Hoondervouel Et Jöngesch Lina maat sech ömmer chern chett fein. On wie dumools die iirschten Perücken opkomen, hatt et och derek een on sooch och richtich choot domät us. Eenes Daaches maat de Eintracht en Ausfluch on owends wuur richtich flott jedanz. Och et Lina wor äm danzen. Do bleff op eemol eener van den Keerls met senger Armbanduhr em Lina senger Perücke hangen on die Perücke floch em hohen Bogen du de Loff. Dem Lina senge Mann –der Chustav – der sooß ussen an der Danzfläche un die Perücke floch zemlich noh bin ihn. Do soot der Chustav : „Ech dääch et köm en Hoondervouel!“
Neue Chorliteratur von Rolf Gatzmanga
Unser Freund und Sportkamerad „Dr. Müller Lüdenscheid" hat nach der schon legendären „Leuscheider Heimat" drei weitere Lieder komponiert und getextet. Mit „Hey Löschend", „Nä - wat wor dat fröher" und „Windecker Ländchen" sind drei weitere hervorragende Kompositionen entstanden, die ins Ohr gehen und ihren Weg machen werden. Die Uraufführung war beim Gemütlichen Abend (Karnevalsabend) 2006 des MGV „Eintracht" Leuscheid mit den Alser Mädchen und Jongen.
Windecker Ländchen….
V1 Windecker Ländchen mein Heimatland mit deinen Tälern und Höhn. hier wo ich Heimat und Freunde fandt hier ist die Welt wunderschön.
R Windecker Ländchen, Land an der Sieg, Sollst meine Heimat stets sein. Windecker Ländchen sei mir gegrüßt, sei mir gegrüßt, Heimat mein.
V2 Wo in den Wäldern das Wildbret springt, im klaren Bache der Fisch. Wo man mit Freunden noch Lieder singt, deckt uns der Herrgott den Tisch.
R Windecker Ländchen, Land an der Sieg, Sollst meine Heimat stets sein. Windecker Ländchen sei mir' gegrüßt, sei mir gegrüßt, Heimat mein.
V3 Klopfe ich einst dann am Türchen an, spricht zu mir Petrus: komm rein. Sag ich zu Petrus: ach guter Mann, ich werd stets Windecker sein.
R Windecker Ländchen, Land an der Sieg, Sollst meine Heimat stets sein. Windecker Ländchen sei mir gegrüßt, sei mir gegrüßt, Heimat mein.
Nä- wat- wor dat, fröher….
V 1 He bei uns in Löschend, jidett vill Kultur jo dat wohr schon ömmer, jeder fuhr seng Spur., Me koom kumm zesamme, kohrn net richtig kloor, dat woor Johre lang su, jo dat es wohr.
V 2 Dat wur plötzlich anders, un mer sproch sich us. Denn nur he en Löschend, sem'mer all ze Hus. Un et jing op eenmol, wär hätt dat jedach. Dat wohr wie dat Wunder von der hillije Nach.
R Nä- wat- wor dat, fröher, en Scheiße jelle Zitt, wi sich he jeder Dorfverein met sengem Nooper stritt. Doch hött zee` mer an eenem Strick, un dat es neu. Dat soll su blieve lange Johr, denn dat es LEU- LEU¬
LEUSCHEIDER Heimat, Leuscheider Land, Leuscheider Freunde gehn Hand in Hand. So war es stets auf unseren Höhn. Leuscheider Heimat wie, bist, du so schön.
V 3 Jetz es he en Löschend, en janz neu Jeföhl, mer setz he zesamme, op de selve Stöhl. Keener setz mi höher, keener setz mi deev. Un mir könne nur wünsche, dat dat su bliev.
R Nä- wat- wor dat, fröher, en Scheiße jelle Zitt, wi sich he jeder Dorfverein met sengem Nooper stritt. Doch hött zee'mer an eenem Strick, un dat es neu, Dat soll su blieve lange Johr, denn dat es LEU- LEU¬
LEUSCHEIDER Heimat, Leuscheider Land, Leuscheider Freunde gehn Hand in Hand. So war es stets auf unseren Höhn. Leuscheider Heimat wie bist du so schön. Leuscheider Heimat wie bist du so schön.
Hey Löschend….
R Hey Löschend du im Sonnesching, he wo ich jros jewode bin. Du bes en Doorf met Hätz un Siel, hey Löschend du bes e Jeföhl.
V1 Ich hann die Städte der Welt jesinn, Ich wor in Rio, in New York un Berlin. Se sin op ihre Art jot un schön, doch wenn Ich ierlich bin, do trick mich nix hin. Ich bruch he ming Lück, die Spaß han un Zick, un die schwätze wie et Wedder es. Ich bruch dä Verein, ihr weßt all wen ich mein, un net all dä janze andre Dress.
R Hey Löschend du im Sonnesching, he wo ich jros jewode bin. Du bes en Doorf met Hätz un Siel, hey Löschend du bes e Jeföhl.
V2 Die Kirch die seh ich vom Sabelspohl och von Locksiefen un von Kauersch un Saal. Un wenn ich emol ming Kirch jesehn, dann es mer alles andre völlig ejahl. He es minge Fründ, die Mutter mit Kind, un die Wietschaft wo de Dühr noch opp. Wo noch ehner steht, dem et dreckig hütt jet, un dann mache me noch eene dropp.
R Hey Löschend du Im Sonnesching, he wo Ich jros jewode bin. Du bes en Doorf met Hätz un Siel, hey Löschend du bes e Jeföhl.
Ich blieve he, - wat och passiert, - wo ich die Löck verstonn, wo ich verstande weerd. Hey hey hey !¬
R Hey Löschend du im Sonnesching, he wo ich jros jewode bin. Du bes en Doorf mal Hätz un Siel, hey Löschend du bes e Jeföhl. - Hey Löschend
Löschender Geschichten verzällt vom Nöderlöschender Ilse
Die Orgel en dr Löschender Kierche wor öm 1900 repariert wuren. Nu wor et Cheld ,jo domols erch knapp.Die Presbyter un dr Pastuur motten sech dat Cheld zesammenkötten. Der Pastuur cheng nu et irsch nom richsten Mann ze Löschend,dat wor der Schäffemann un fröcht denn, ob er dann och chet debin dät.
Der Schäffemann wor och derek wellich zwanzich Mark debin zo don.Nu wor dat dem Pastuur äwer chet wennich un er soot für den Schäffemann: "Könnte es nicht etwas mehr sein. Sie können doch auch nichts mitnehmen, wenn Sie einmal sterben." .,Dat net, Ech woll awer vill he losen", sot der Schäffemann.
Die Wassermühle auf dem Berge Ein andermal fehlte es den Leuscheidern an einer Mühle. Das umständliche Fahren talab und talauf in fremdes Gehege war ihnen zuwider, und sie beschlossen, im eigenen Stand zu moltern. Sie bauten eine Wassermühle kunstgerecht auf windiger Höhe auf und beschafften die kostbaren Mühlsteine aus Niedermedig. Als der Bau fertig war, und die Mühle in Gang gesetzt werden sollte, fehlte es an der Hauptsache, am Wasser. Diese Erkenntnis kam aber nicht als eine Selbstverständlichkeit, sondern war das Ergebnis einer langen Gemeinderatssitzung. Da wurde die Mühle abgebrochen, um an triebkräftigen Wasser aufgebaut zu werden. Unter er Obhut einer ständigen Wache blieben die Mühlsteine auf der Höhe liegen, bis der Bau fertiggestellt war. Dann kam der Gemeinderat zusammen und beschloß, die wertvollen Mühlsteine zum Transport den zuverlässigsten Leuten, also dem Schulzen und seinen Schöffen anzuvertrauen. Als die Gemeindeältsten sich verlaufen hatten, meinte der pfiffige Schulze: "Wir machen es uns bequem und rollen die Steine; damit wir sie ständig im Auge behalten, stecken wir den Kopf durch das Achsenloch. "Wie gesagt, so getan, und das Rollen nahm seinen Anfang. Bei dem rasenden Rollen wurde es dem Schöffen schwül, und er schrie dem Schulzen zu: "Halt fest, ich kann nicht mehr!" Und damit versanken Stein und Mann tief im Sumpf und wurden spurlos zugedeckt. Als man am anderen Tage die Mühlsteine abholen wollte, waren Stein und Mann verschwunden, un die Frauen konnten nun bekunden, daß die Ehemänner aus der Gemeinde-ratssitzung nicht nach Hause gekommen wären. Endlich des langen Wartens überdrüssig, meinte ein mistrauischer Bürger: "Die beiden haben die Mühlsteine gestohlen." Nun ging die Jagd los! Man schickte jemand nach Rosbach, Herchen und Eitorf und ließ fragen, ob Schulze und Schöffe nicht gesehen worden seien. Ein Nein war allerorts die Anwort. Als nach langem Rennen in Siegburg dieselbe Frage laut wurde, antwortete ein "Kastensmännchensweib" : " wie kann man die beiden kennen?". "Sie haben einen Mühlstein am Halse hängen", war die Gegen-antwort des Leuscheider Mannes. -- Auch dieser Streich mischt sich bunt aus Eigennutz, Selbstherrlichkeit, Dummheit und Mißtrauen. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Bürgervereins „Leuscheider Land“
Aus Leuscheid ist uns die folgende köstliche Geschichte überliefert, die ein einheimischer Poet im vorigen Jahrhundert in einem bäuerlichen Anschreibebuch aufgezeichnet hat.
Es war mal Sonntagnachmittag, das Kirchlein auf dem Friedhof lag, hell in des Sommers Sonnenschein und hielt umschlossen groß und klein.
Des Liedes Hall ist schon verweht, der Pfarrer auf der Kanzel steht. Und die Gemeinde ringsherum vernimmt die Predigt still und stumm.
Des Friedens Geist hat sich ergossen, die Kirchentür war nicht verschlossen. Und draußen am Holunderstock, da nagt des Küsters Ziegebock. Lustwandelnd auf der Gräber Flur entdeckt er nun der Menschen Spur. Und schlich nach seinem Herrn Gebraus bedächtig in das Gotteshaus.
Der Türe nah, als müsst es sein, da saß ein altes Mütterlein. Das lange mit dem Schlaf gerungen, bis sie die Predigt eingesungen.
Und wie sie nickt nach Schläfers Brauch, da fasst der Bock sie fest ins Aug. Und denkt: so dich nach Streit gelüstet, hier find'st du einen gut gerüstet.
Sie nickt von neuem. Fest und grade stellt sich der Bock in Stoßparade.Und als zum dritten Mal sie nickt, da springt er ein, so kampfgeschickt, das Stim an Stirne heftig prallt und laut die Kirche widerhallt. Führwar die Schläferin erwacht, erschrocken und beschämt sie lacht.
Es lachten Junge und auch Greise, die Buben laut, die Mädchen leise. Und selbst des Pfarrers strenge Mine ein Lächeln zu verdrücken schiene.
Nur einer fasst ein ernst Gesicht, der Küster war’s, der lachte nicht. Denn selber hat ers ja versehn, das offen blieb die Türe stehn.
Er schlich sobald die Kirche aus, beklommen nach des Pfarrers Haus, um abzubüßen seine Schuld, der Pfarrer sah in an mit Huld.
Nun sprach er heiter: "Tröste dich, dein Bock tat heute mehr als ich. Du sahest ja wie so mancher tief, trotz meiner Worte Feuer schlief.
Du sahst, ich rügte, schalt genug, schlug auf die Kanzel und aufs Buch. Ich drohte selbst mit Kirchenstrafen, jedoch sie fuhren fort zu schlafen.
Doch nach des Bocks Erinnerung, ermuntert lauschten alt und fortan der Predigt andachtsvoll, bis Amen von der Kanzel scholl". So sprach der Pfarrer seinen Rat, gemäß der Küster hinfort tat. Und selten ward seit jener Zeit die Kirche mehr durch Schlaf entweiht.
Wilhelm Fuchs
Der "schwarze Puhl" liegt im "Lommerbruch". Hier sollen mehrere Ritter mit ihren Pferden in den Sumpf geraten und dabei umgekommen sein.
Die gewarnten Holzdiebe Ein überaus starker Mann aus Leuscheid, der wegen seiner Kraft weit und breit berühmt war, und welcher den Feldzug 1870/71 mitgemacht hatte, ging eines abends mit seinem Schwiegervater in den Wald um Holz zu stehlen. Sie gingen in ein Kieferdickicht. Heller Mondschein lag auf der Gegend. Der junge Mann war bald mit seiner Bürde fertig und war eben im Begriff, dieselbe von der Erde aufzunehmen, als er nach einer Stelle den Blick wandte, welche als unheimlich verschrieen war. Da sah er dort einen Mann stehen. Er legte nun seine Bürde wieder nieder und trat auf die unheimliche Gestalt zu. Da sah er, dass diese einen dreieckigen Hut trug, dazu ein kurzes Beinkleid und Schnallenschuhe. Das Gesicht des Mannes war außerordentlich breit und sah aus wie ein Totenschädel. Der Mann fasste sich ein Herz und fragte den Rätselhaften: "Was macht du hier?" Da wandte jener ihm zuerst das Gesicht und dann den Rücken zu, ohne sich weiter von der Stelle zu bewegen. Da überfiel unsern Holzdieb doch etwas wie Grauen. Er fasste sich aber bald, lief zu seinem Schwiegervater zurück und teilte ihm sein Erlebnis mit. Zugleich beschwor er ihn, für sein Weib und seine Kinder zu sorgen; denn er wolle mit dem rätselhaften Gesellen energisch zu Leibe gehen. Der Schwiegervater war aber besonnen genug, ihm solche verwegenen Pläne auszureden. Beide nahmen ihre Bürde auf und nahten der Stelle, wo die Gestalt noch stand, ohne sich zu rühren
Schell 11,101.
Leuscheider Anschläge
En d'r ahlen Zitt, wi de Löschender noch ehr Aschläh mochten, hatte ihren Pastur es en bei jestauchen. Dat konnten se nu riet verknusen, dat de Beien esu frech wohren, an et chof en Rewolte dronger an dröffer. Met ihrem Bürgermeester an der Spetze zochen se us wie de Speckrossen: met Chreef, Flähl, Hacken, Chärschten, Beiel an Sähnselen, was nor Eener d'r ersch en de Hank chreeg. Nu chen et loss. Se schmessen de Beiefähser owen heröffer an schlogen döckersch derzo herenn. D'r Bügermeester führte et Kommando. Ob ehmol kütt en Bei on satzt sech ein ob de Stiehn. Wie dat e Buhr sitt, du schleht he - katsch-dech- de Bürgermeester für de Kopp , an sächt: "Här, do soos en !" d.s. Mistgabel, Dreschflegel, Hacken,Karsthacken, Beile und Sensen
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